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Modernes Recruiting: erfolgreich mit digitalem Recruitainment

von Jeannine Lade-Berns

Viele erinnern sich noch an die Zeit, in der das reine Schalten einer Stellenanzeige als das einzig notwendige und vor allem ausreichend erfolgreiche Mittel der Personalbeschaffung galt. Die Bewerbungen flatterten stapelweise ins Haus. Anschließend wurden tagelang Mappen gesichtet. Die Personalsuche klappte wie am Schnürchen. Doch wie ist die Situation jetzt? So viel sei vorab gesagt: Es hat einen Paradigmenwechsel gegeben. Doch wie funktioniert modernes Recruiting heute? Und warum ist es mit weit mehr Aufwand verbunden als früher? Die Personalisten mit einer zeitgemäßen Betrachtung, die zeigt, warum sich die Mühe lohnt.

Modernes Recruiting: Umdenken erforderlich!

Die Luft wird zunehmend dünner für Human Resources Manager. Das Blatt für Personalabteilungen hat sich radikal gewendet. Mangel an High Potentials, demografischer Wandel und nicht zuletzt die massiven Folgen der SARS-CoV-2 Pandemie sind als maßgebliche Ursachen zu nennen. Inzwischen bewerben sich Recruiter beim Bewerber - und nicht umgekehrt. Ein Paradigmenwechsel von großer Bedeutung, der schließlich eine ganz neue Strategie der Personalbeschaffung erfordert. Denn die Anforderungen an ein modernes Recruiting steigen sowohl hinsichtlich Qualität als auch Quantität. Die Methoden der Personalgewinnung werden immer komplexer und langfristiger angelegt. Wer den "War for Talents" für sich entscheiden möchte, muss darüber hinaus schnell sein.

Warum sich die Mühe lohnt

Was heißt das konkret? Stellenanzeigen erscheinen beispielsweise auf vielen verschiedenen Kanälen gleichzeitig. Dabei sollte der Fokus nicht nur auf die gängigen Jobportale beschränkt sein, sondern darüber hinaus alle Social Media Kanäle einbeziehen. Für die sozialen Medien gilt: Dieser Funnel kann eine unvergleichliche Candidate Experience schaffen, die ein ganz persönliches Bild des Unternehmens zeichnet. Zum Zeitpunkt der Stellenanzeige ist der Kandidat schon lange auf den potentiellen Arbeitgeber aufmerksam geworden. Das eigentlich Entscheidende ist die Story, die der Social Media Account erzählt. Er zahlt langfristig in das Image des Unternehmens ein und sorgt für Recruitainment entlang des Personalbeschaffungsprozesses.

Mit digitaler Unterstützung erscheinen über die genannten Kanäle hinaus Jobprofile mit allen relevanten Daten im Netz. Über Schnittstellen können diese automatisch aus der Personalbeschaffungssoftware auf die eigene Website gelangen. So wird nicht bei jeder neuen Stellenausschreibung ein Programmierer beauftragt. Das spart Zeit und Geld. Darüber hinaus können sich Kandidaten über eine nutzerfreundliche Bewerbungsfunktionalität direkt aus dem Web per One-Click über die Software bewerben und landen ohne Umwege direkt beim richtigen Recruiter. Zu beachten ist jedoch, dass der gesamte Webauftritt des Unternehmens responsive gestaltet sein muss, denn die meisten Bewerber nutzen inzwischen mobile Endgeräte zur Jobsuche. Das zeigt, dass ein Unternehmen professionell organisiert ist.

Nach Erhalt erster Bewerbungen kommt es im weiteren Verlauf entscheidend auf nahtlose, im Idealfall automatisierte Kommunikation mit Kandidaten an. Erhalt der Bewerbung, Status Updates - Bewerber finden nichts schlimmer, als Kommunikationslöcher. Bei Posts in Social Media Kanälen ist außerdem wichtig, Kandidatenanfragen innerhalb von 24 Stunden zu beantworten. Damit schnell ein Matching der Bewerber erfolgen kann, sorgen Algorithmen der Personalbeschaffungssoftware für eine Vorselektion. Sie gleicht die gesuchten Skills mit den Talenten der Kandidaten ab und gibt sogar Prognosen zum Cultural Fit ab. Mit der passenden digitalen Unterstützung wird modernes Recruiting also sehr effizient gestaltet.

Die Kandidaten von morgen: Generation Y und Z überzeugen

Um mit den Recruitingmaßnahmen eine möglichst große Reichweite und somit möglichst viel Erfolg zu generieren, ist ein Perspektivwechsel erforderlich. Die Kandidaten, die angesprochen werden sollen, sind meist aus der Generation Y oder sogar Z und haben ganz andere Prioritäten und Anforderungen an einen Job, als man selbst. Dies zu ignorieren wäre fatal. Die Generation Y beispielsweise ist in einem überwiegend digital geprägten Umfeld aufgewachsen. Sie ist geprägt von hoher Technikaffinität und einem hohen Bildungsniveau. Sie ist selbstbewusst und weiß, was sie will. Und das ist vor allem Selbstbestimmung. Hohe Gehälter rücken zugunsten von Experten-Karrieren und immateriellen Leistungen ein wenig in den Hintergrund. Leidenschaft für den Job, Sinnhaftigkeit der Tätigkeit und ein positives Arbeitsumfeld sind entscheidend. Die Generation Y schiebt gern selbst, anstatt geschoben zu werden.

Nicht zuletzt sind die Millenials in den sozialen Medien zuhause. Kommunikation funktioniert dort anders, als viele Personaler es gewohnt sind. Persönliche Bewertung und Intuition sind oftmals von größerer Bedeutung als harte Fakten. Deshalb ist es von enormer Relevanz für den Recruitingerfolg, in langfristige Maßnahmen zu investieren. Employer Branding rückt dabei immer mehr in den Fokus und ist die Grundlage für überzeugendes Personalmarketing in Richtung der Kandidaten von morgen.

Digitalisierung ja - aber bitte mit persönlicher Note!

Das neue Recruitung bedeutet vor allem, aktiv auf Kandidaten zuzugehen. Beim Active Sourcing werden passende Talente in Businesskanälen identifiziert und zunächst durch Serienmails kontaktiert. Doch in der Flut der standardisierten Anfragen gilt es, sich von der Masse abzuheben. Dies gelingt am besten mit Persönlichkeit. Spätestens ab dem zweiten Kontakt verzichtet der Human Resources Manager idealer Weise auf Standardtexte, sondern geht auf den Bewerber ganz detailliert ein.

Nach Abschluss eines Recruitingprozesses folgt dann noch die Kür: Kandidaten um eine Bewertung bitten. Und wenn diese erfolgt ist, eine Antwort formulieren. Denn sowohl Lob als auch Kritik sollten niemals im World Wide Web unkommentiert verhallen.

Recruiter müssen also zu Networkern werden. Sie sind Markenbotschafter des Unternehmens, für das sie Kandidaten suchen. Eine große Verantwortung, die mit digitaler Unterstützung jedoch gut getragen werden kann. Digitale Tools sinnvoll eingesetzt machen modernes Recruiting auch in Zukunft zum Erfolgsprojekt.

 

Bild: Kelly Sikkema auf unsplash

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