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Großraumbüro - Inspiration oder Störquelle?

von Jeannine Lade-Berns

Mehr Luft, mehr Licht und vor allem kurze Wege und viel Austausch. Der Trend geht schon lange zum Großraumbüro, in einigen Unternehmen sogar so weit, dass Mitarbeiter keine festen Arbeitsplätze mehr haben. Rückzugsräume bieten Ruhe für Phasen, die besondere Konzentration und erhöhten Fokus erfordern. Die Personalisten haben sich ebenfalls vor einigen Jahren entschieden, Einzelbüros aufzulösen und in offener Atmosphäre voneinander zu profitieren. Mit Erfolg.

Die Geschichte der Großraumbüros

In den 60-er Jahren war es tatsächlich eine deutsche Idee, offene Bürolandschaften zu kreieren. Die Möbelfabrikanten Eberhard und Wolfgang Schnelle konzipierten damals neuartige Konzepte der Raumgestaltung, die die Arbeitswelt revolutionierten. Sie gliederten Räume nach Arbeits- und Kommunikationswegen. Pflanzen und Raumteiler trennten Bereiche voneinander ab. Das moderne Großraumbüro war geboren, löste die zuvor üblichen Schreibtischreihen ab und hat sich bis heute bewährt.

Arbeiten im Großraumbüro: Vor- und Nachteile

Zugegeben, es gibt auch Nachteile. In hektischen Zeiten und wenn mehrere Kollegen gleichzeitig telefonieren zum Beispiel. Oder wenn spontane Meet-ups im Großraumbüro abgehalten werden, man selbst jedoch nicht daran teilnimmt. Eigentlich. Denn am Geräuschpegel kommt dann so leicht keiner vorbei. Bei einigen ganz flexiblen Raumkonzepten bleiben außerdem gefühlt die Individualität und Persönlichkeit des Einzelnen auf der Strecke. Dann nämlich, wenn Mitarbeiter keinen festen Platz mehr haben, sondern jeden Morgen zunächst gefühlt die Reise nach Jerusalem spielen und sich einen freien Tisch suchen müssen. Dieses Konzept kam für die Personalisten jedoch so nicht in Frage. Der offene Austausch war jedoch ausdrücklich gewünscht, sollte allerdings thematisch gegliedert stattfinden.

Und damit sind wir auch schon bei den Vorteilen: In Großraumbüros findet Kommunikation auf ganz kurzen Wegen statt. Anstatt Meetings einzuberufen, bei denen sich die Teilnehmenden stundenlang in separaten Räumen einschließen, können in offen gestalteten Büroflächen viele Dinge direkt und "on the fly" besprochen werden. Ergebnisse werden effizienter erzielt, möglicherweise auch Ideen aufgegriffen, die unter anderen Umständen nie den Weg aus der Schublade gefunden hätten. Ein weiterer essentieller Vorteil ist, dass Kollegen sozusagen nebenbei voneinander lernen, indem sie Gespräche und Telefonate mithören und von den Kompetenzen der anderen Mitarbeiter profitieren können. Wie verhalte ich mich am Telefon? Wie formuliere ich unangenehme Botschaften möglichst geschickt? Wo ist was abgespeichert oder welche Funktionen helfen in Excel weiter? Der Wissenstransfer in Großraumbüros ist beachtlich.

Und auch soziale Aspekte sind durchaus erwähnenswert. Gerade neue Kollegen lernen die Charaktere ihrer "Mitbewohner" schnell kennen und können sich unkompliziert in das bestehende Gefüge integrieren. Übrigens haben bei offenen Raumkonzepten auch Gerüchte und Tratsch wenig Chancen. Denn es gibt keine Stille Post von Büro zu Büro, die am Ende für Konfliktpotenzial sorgt.

So wird die Arbeit in offenen Büroräumen zum Erfolg

Mit wenigen Maßnahmen und Verhaltensregeln kann die Arbeit im Großraumbüro zu einem vollen Erfolg werden. Dabei sollten vor allem die Grundvoraussetzungen stimmen. Raumteiler etwa, sei es durch halbhohe Wände oder Schrankelemente, dienen nicht nur der optischen Aufteilung. Sie stellen außerdem Lärmpuffer dar. Pflanzen lockern zusätzlich auf und helfen dabei, nicht bei jeder vorbeilaufenden Person den Blick von der eigenen Arbeit abzuwenden. Darüber hinaus sollte jeder Arbeitsplatz über ausreichend Lichteinfall und die Möglichkeit der Frischluftzufuhr verfügen.

Neben der Raumplanung sind natürlich auch die "Soft Skills" der Kollegen gefragt, damit das Miteinander gelingt. Rücksicht ist das A und O im gemeinsamen Arbeitsraum. Gespräche sollten leise stattfinden und nicht länger als 15 Minuten dauern. Andernfalls empfiehlt es sich, die Konversation in einen Besprechungsraum zu verlegen. Für den Notfall bieten sich geräuschreduzierende Kopfhörer an. Das geruchsintensive Mittagessen sollte besser im Mitarbeiter Cafe anstatt am Schreibtisch zu sich genommen werden. Wenn sich alle Kollegen nach diesen wenigen Verhaltensregeln richten, steht dem offenen Bürokonzept eigentlich nichts im Wege. Für die Personalisten geht der Weg auf jeden Fall nicht mehr zurück in Einzelbüros.  

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