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Fit fürs Vorstellungsgespräch - ganz analog überzeugen

von Jeannine Lade-Berns

Egal, ob Praktikumsplatz oder Job fürs Leben: Wer eine neue berufliche Herausforderung sucht, muss bereits Vertriebstalent mitbringen. Denn es gilt, sich selbst bestmöglich zu verkaufen. Nach Erhalt einer Einladung zum Vorstellungsgespräch hat man das erste Etappenziel zum Traumjob bereits erreicht. Die Bewerbung oder das eigene Online-Profil hat zuvor schon digital überzeugt. Die Qualifikationen passen. Nun gilt es schließlich, sein Gegenüber auch persönlich von sich zu überzeugen. Mit den Personalisten-Tipps fürs Bewerbungsgespräch klappt dies aber ganz sicher.

Vorbereitung ist das halbe Leben!

"Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" Richard David Precht sucht in seinem gleichnamigen Buch Antworten auf die ganz großen Fragen des Lebens. Die gilt es für ein Vorstellungsgespräch sicher nicht zu klären. Jedoch sollte man sich in der Vorbereitung unbedingt einem Selbst-Check unterziehen. Was kann ich, wer bin ich, was möchte ich? Welche Stärken habe ich, die mit der ausgeschriebenen Position in erkennbarem Zusammenhang stehen? Mit welchen Beispielen kann ich meine Stärken belegen?

Inzwischen ziemlich abgegriffen, dennoch immer noch gern gefragt: "Welche Schwächen haben Sie?" Hier erwartet kein Personaler eine wirklich ehrliche Antwort. Denn wer gibt schon im Bewerbungsgespräch für einen Bäckerposten zu, dass er morgens nicht aus dem Bett kommt? Mit dieser Frage kann schlussendlich nur geprüft werden, wie gut sich ein Kandidat vorbereitet hat. Man sollte sich also smarte Schwächen überlegen, die es allenfalls Wert sind, mit einem Augenzwinkern kommentiert zu werden.

Um bei der Frage "Wer sind Sie, können Sie sich kurz beschreiben?" nicht ins Stocken zu geraten, bereitet man sich darauf mit einem "3-Minuten-Interview" vor. Wenn man dieses vorab zu Papier bringt und das freie Vortragen des Inhalts übt, kann man problemlos im persönlichen Gespräch strukturiert Auskunft über sich selbst geben. Dabei geht man auf die aktuelle Anstellung, die Kernaufgaben, Kenntnisse und Fähigkeiten, die nützlich für die ausgeschriebene Position sind und gegebenenfalls auf ein paar persönliche Dinge wie Familie und Hobbies ein.

Nachdem man sich einer Selbstanalyse unterzogen hat, geht es an die Unternehmensrecherche. Allgemeines Wissen über die Branche und den Wunscharbeitgeber sind ein Muss. Mögliche Fragen im Vorstellungsgespräch, auf die eine Antwort ohne langes Zögern erfolgen sollte, könnten sein:

  • Wie gut kennen Sie die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens?
  • Woher kennen Sie die Produkte und Dienstleistungen?
  • Kennen sie andere Unternehmen aus der Branche?
  • Wie stellen Sie sich Ihre Tätigkeit im Unternehmen vor?

Wenn diese Basics in der Vorbereitung erfolgreich abgearbeitet werden, gibt es im Gespräch selbst fast keine unangenehmen Überraschungen mehr.

Der erste Eindruck zählt auch im Vorstellungsgespräch

"You never got a second chance to make a first impression" - Das gilt auch für Vorstellungsgespräche. Doch es gibt nur ein paar wenige, dafür umso wichtigere Grundregeln zu beachten, damit der erste Kontakt zum Wunscharbeitgeber gelingt. Zunächst einmal: Pünktlich und ausgeschlafen ankommen. Wenn man sich vorher den Weg anschaut und ausreichend Zeit für den Verkehr einplant, sollte dies kein Problem sein. Bei der Begrüßung ist freundliche Natürlichkeit und Blickkontakt gefragt.

Auch in Redepausen gibt es keinen Moment, in dem man nicht kommuniziert. Deshalb ist unbedingt auf Mimik und Gestik zu achten, denn sie sind Ausdruck der inneren Haltung. Kräftiger Händedruck (wenn dies wieder möglich ist) und aufrechte Sitzposition beispielsweise suggerieren Sicherheit, angedeutetes Spiegeln des Verhaltens vom Gesprächspartner erzeugt Empathie. Zeigt ein Kandidat authentisches Interesse, überzeugt er durch seine positive nonverbale Kommunikation, wird er bei gleicher Qualifikation den Wettlauf um den Job für sich entscheiden.

Und dann ist da noch die Stilfrage: Sicher kommt es immer auch ein wenig auf die ausgeschriebene Position und den Unternehmensgeist an. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Wenn vor dem Vorstellungsgespräch gar nicht klar ist, wie der Kleider-Codex im Unternehmen ist, dann gilt: Business-Kleidung. Darüber hinaus wird auf schwere Goldketten, geräuschvolle Ohrringe und grobe Armreifen besser verzichtet. Auch auffälliges Parfum bleibt bei diesem Termin lieber unbenutzt.

Das Bewerbungsgespräch für sich entscheiden

Auch wenn Bewerber es im Vorstellungsgespräch immer wieder mit Standardfragen zu tun haben, sollten sie sich auf genau diese vorbereiten. Wo sieht man sich beruflich in fünf Jahren? Strebt man eine Führungsposition an? Die Antworten sollten zwar der Wahrheit entsprechen, jedoch macht es in einem Unternehmen, das kaum Hierarchien aufweist, keinen großen Sinn sich innerhalb der nächsten Jahre in eine Abteilungsleiter Position zu wünschen. Deshalb sollte man sich im Vorfeld Gedanken darüber machen, wie man solche Fragen überzeugend beantwortet, ohne Spontaneität einzubüßen.

Spätestens am Ende des Gesprächs gibt es Raum für eigene Fragen. Diese Möglichkeit sollte unbedingt genutzt werden, selbst wenn man zuvor umfangreich zum Wunscharbeitgeber und der Position recherchiert hat. Auch hier macht es Sinn, sich in der Vorbereitungsphase bereits Fragen zu notieren. Die Anzahl der Urlaubstage jedoch gehört eher in das zweite Gespräch, wenn man die erste Runde bereits für sich entscheiden konnte.

Das Bewerbungsgespräch ist gemeistert? Wunderbar. Nachdem man noch einmal hat Revue passieren lassen, entscheidet sich, ob die Position und das Unternehmen immer noch das Richtige sind. Ist das der Fall, beginnt die unangenehme Zeit des Wartens auf Rückmeldung. Hier gilt: Eine kurze Mail nach ein bis zwei Tagen, in der man sich für das Gespräch bedankt und sein Interesse unterstreicht, ist absolut in Ordnung. Nach etwa 10 Tagen darf eine telefonische Nachfrage nach dem Stand des Auswahlprozesses erfolgen. Pflegt der Wunscharbeitgeber jedoch einen informativen und wertschätzenden Umgang mit Kandidaten, wird er diese bis zur finalen Entscheidung kontinuierlich über das Fortschreiten des Bewerbungslaufs informieren.

 

Bild: Amy Hirschi, unsplash

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