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Beidhändiges Führen: neue Ansätze im Change

von Jeannine Lade-Berns

Change. Ein Begriff, der uns im Zeitalter der digitalen Transformation häufig begegnet und meist Gutes verheißt. Unternehmen reagieren flexibel und agil auf Veränderungen, um weiterhin mitzuhalten. Mit deutlichen Auswirkungen - nicht nur auf Mitarbeiter, sondern und vor allem auf Führungskräfte. Damit diese der neuen Zeit standhalten, müssen sie fit für die VUCA-Welt sein. Was das heißt und wie beidhändiges Führen funktioniert, erklären die Personalisten.

Neue Führungsstile in der digitalen Transformation

VUCA - ein Begriff, der immer wieder in der Managementliteratur genannt wird und seinen Ursprung beim US Militär hat. Er setzt sich zusammen aus den Begriffen Volatility (Flüchtigkeit) , Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit). Herausforderungen des neuen Zeitalters, denen sich Führungskräfte stellen müssen. Kunden von heute können beispielsweise morgen schon abgesprungen sein. Wettbewerber sind nicht mehr eindeutig identifizierbar. Unternehmer müssen deshalb ständig in alle Richtungen denken, die globale Wirtschaft wird immer komplexer. Zunehmend fehlen eindeutige Ursache-Wirkung-Zusammenhänge und etablierte Geschäftsmodelle müssen darum überdacht und neu gestaltet werden.

Klingt alles recht negativ? Dr. Willms Buhse leitete später aus VUCA das zukunftsfähigere VOPA+ Modell ab. Es entstand eine neue, agile Führungsmethode. Vernetzung, Offenheit, Partizipation, Agilität und zusätzlich Vertrauen - das waren die neuen, weitaus positiver behafteten Faktoren für den modernen Führungsansatz und darüber hinaus ein Indikator für eine bestimmte Unternehmenskultur. Die nämlich, in der Führungsetagen Mitarbeiter motivieren, ja sogar stärkend hinter sich versammeln, Kreativität fördern, Raum für Ideen gewähren und eine gesunde Fehlerkultur zulassen.

Beidhändiges Führen: mehr als eine agile Methode

Ein Bestandteil dieses agilen Führungsstils ist beidhändiges Führen, das tatsächlich auf die deutschen Wissenschaftler Rosing, Frese und Bausch zurückgeht. Sie legten dabei die transaktionale und die transformationale Führung zugrunde. Sprich: Öffnendes Verhalten, auch Exploration genannt und schließendes Verhalten, die Exploitation. Das öffnende Verhalten wird dabei als linke Hand gesehen, das schließende als rechte. Beidhändiges Führen ist folglich ein gesunder und situationsbedingter Mix: Loslassen und neue Wege erkunden und demgegenüber bestehende Ressourcen und lange erprobte Abläufe nutzen.

Führungskräfte müssen heute mehr denn je ein Klima der Öffnung schaffen, wenn sie ihr Unternehmen voranbringen wollen. Sie geben den Mitarbeitern Raum für ihre eigenen Ideen. Gewähren außerdem Autonomie, schaffen Vertrauen und lassen Fehler zu. Die Folge sind Mitarbeiter mit großer Bindung ans Unternehmen und intrinsischer, also aus sich selbst entstehender Motivation. Als echter Leader qualifiziert sich nur noch, wer Innovationen mit lockerer - linker - Hand fließen lässt.

Dem gegenüber steht jedoch das schließende Verhalten, die rechte Hand. Hier geht es ums Tagesgeschäft. Die rechte Hand etabliert Routinen, delegiert, kontrolliert und pocht auf Umsetzung der gesteckten Ziele. Es werden klassisch Top-down Entscheidungen durchgesetzt, um die Effizienz und Stabilität des Unternehmens sicherzustellen. Und hier liegt die Herausforderung: Die Führungskraft im Zeitalter der digitalen Transformation muss agil und fähig sein, zwischen beiden Modi schnell und situativ umzuschalten.

Herausforderung und Chance

Beidhändiges Führen verlangt Führungskräften einiges ab. Sie müssen ständig bereit sein, ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten zu erweitern. Sie müssen mit Widersprüchen umgehen können, Komplexität verkraften und konfliktbeständig sein. Die Basis für effektive Entscheidungsprozesse ist, aus gegensätzlichen Meinungen kreative Lösungen zu entwickeln und eine gesunde Kommunikation zu verfolgen. Denn Kommunikation dient nicht mehr länger nur der reinen Übermittlung von Informationen - sie stellt einen interaktiven Prozess dar, in dem selbst bereits neue Lösungen entstehen können.

Beidhändige Führung ist die Königsdisziplin in Zeiten der digitalen Transformation. Neue und bestehende Lösungsansätze begegnen und ergänzen sich. Führung erfährt eine Bereicherung, keinen Widerspruch und Mitarbeiter werden dort abgeholt, wo sie stehen, um den Change gemeinsam zu meistern.

 

Foto: CoWomen auf unsplash.com

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